Steuern bei Heirat Schweiz 2026 — was ändert sich?
Von Yanic Müller | Stand: Juni 2026 | Schweizrechner.ch
Was ändert sich steuerlich bei der Heirat?
In der Schweiz werden Ehepaare im Steuerjahr der Heirat erstmals gemeinsam besteuert. Das bedeutet: Die Einkommen beider Partner werden addiert und gemeinsam in der Steuererklärung deklariert. Im Gegenzug profitieren Verheiratete von einem reduzierten Tarif (dem sogenannten Verheirateten- oder Splittingtarif), der einen Teil der Progression ausgleicht. Ob dies vorteilhaft oder nachteilig ist, hängt stark von der Einkommenssituation ab.
Das Splitting-Verfahren erklärt
Die Schweiz verwendet kein echtes Splitting wie Deutschland, sondern einen eigenen Ehepaartarif: Das gemeinsame Einkommen wird nicht halbiert und getrennt besteuert, sondern ein reduzierter Steuertarif angewendet. Dieser reduziert die Progression, gleicht sie aber bei zwei gleich hohen Einkommen nicht vollständig aus.
Die Heiratsstrafe — in Zahlen
| Einkommenssituation | Steuerbelastung unverheiratet | Steuerbelastung verheiratet |
|---|---|---|
| CHF 80'000 + CHF 0 | CHF 8'200 | CHF 7'100 ✓ |
| CHF 80'000 + CHF 80'000 | CHF 16'400 | CHF 19'200 ✗ |
| CHF 120'000 + CHF 40'000 | CHF 20'500 | CHF 22'000 ✗ |
| CHF 150'000 + CHF 0 | CHF 19'000 | CHF 16'500 ✓ |
* Schätzwerte Bundessteuer, Kanton Zürich, ledig / keine Kinder
Wann lohnt sich Heirat steuerlich?
Heirat ist steuerlich vorteilhaft bei:
- Alleinverdiener-Haushalten: Der Verheirateten-Tarif ist deutlich günstiger
- Grossen Einkommensunterschieden: Wenn ein Partner sehr wenig oder gar nicht verdient
- Gemeinsamen Kindern: Kinder-Steuerabzüge können effizienter genutzt werden
- Erbschafts- und Schenkungssteuer: Ehepartner sind in allen Kantonen befreit
Die Reform — individuelle Besteuerung ab 2027?
Das Parlament arbeitet an einer grundlegenden Reform: der individuellen Besteuerung. Dabei würden Ehepaare wie Unverheiratete separat besteuert — jeder Partner nach seinem eigenen Einkommen. Dies würde die Heiratsstrafe vollständig eliminieren, aber auch die steuerlichen Vorteile bei Alleinverdiener-Haushalten reduzieren. Die Reform ist politisch heikel und könnte frühestens 2027 in Kraft treten.
Häufige Fragen
Was ist die Heiratsstrafe in der Schweiz?
Als 'Heiratsstrafe' bezeichnet man den Umstand, dass Ehepaare in der Schweiz in bestimmten Einkommenskonstellationen mehr Steuern zahlen als unverheiratete Paare. Das liegt daran, dass Ehepaare gemeinsam veranlagt werden und die kombinierten Einkommen einer höheren Progression unterliegen. Bei zwei ähnlich hohen Einkommen ist die Steuerbelastung als Ehepaar oft höher.
Ab wann lohnt sich Heirat steuerlich?
Heirat lohnt sich steuerlich vor allem, wenn ein Partner deutlich mehr verdient als der andere (ein Alleinverdiener-Haushalt) oder wenn Kinder vorhanden sind. In diesen Fällen profitieren Ehepaare vom Ehepaar-Splitting und von höheren Abzügen. Bei zwei ähnlichen Einkommen über CHF 100'000 pro Person kann Heirat hingegen zu einer Mehrbelastung von CHF 5'000–20'000 pro Jahr führen.
Wird die Heiratsstrafe in der Schweiz abgeschafft?
Die Heiratsstrafe ist ein politisches Dauerthema. Die Volksinitiative 'für die steuerliche Entlastung der Familien und Ehepaare' wurde 2016 abgelehnt, aber das Parlament arbeitet an einer Reform. Ab 2027 könnte eine individuelle Besteuerung eingeführt werden, bei der Ehepaare wie Unverheiratete einzeln besteuert werden.